Klima- und Umweltveränderungen in Zentraleuropa während der letzten 130.000 Jahre überliefert im Füramooser Ried, Oberschwaben.

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.26251/jhgfn.181.2025.E003

Schlagworte:

Spätpleistozän, Zentraleuropa, Klimaschwankungen, Paläoklima, Vegetationsentwicklung

Abstract

Die Reaktion mitteleuropäischer Ökosysteme auf abrupte Klimaveränderungen während des Spätpleistozäns (vor ca. 130.000 bis 12.000 Jahren) ist bisher nur unzureichend erforscht. Um die Folgen des Klimawandels besser zu verstehen, ist es entscheidend, vergangene Perioden klimatischer Erwärmung auf kurzen Zeitskalen zu untersuchen. Das derzeitige Verständnis wird jedoch durch das Fehlen geeigneter Klimaarchive, insbesondere aus Mitteleuropa, deutlich eingeschränkt. Verfügbare Klimaarchive sind meist fragmentiert und/oder weisen eine geringe zeitliche Auflösung auf.

Das Füramooser Ried in Oberschwaben bietet ein einzigartiges Klimaarchiv der letzten 130.000 Jahre und offenbart Informationen zur Klimavariabilität auf kurzen Zeitskalen sowie deren Auswirkungen auf die Ökosysteme nördlich der Alpen. Das hier gezeigte, zeitlich hochaufgelöste und nahezu kontinuierliche Profil aus Füramoos kombiniert palynologische und sedimentologische (das heißt Röntgenfluoreszenzanalyse, Glühverlust- und Maceralanalyse) Daten, um die lokale bis regionale Umweltdynamik bestmöglich zu rekonstruieren.

Die Ergebnisse zeigen, dass interglaziale Bedingungen (Marine Isotopenstufen [MIS] 5e & 1) durch florierende Laubwälder gekennzeichnet sind, während sich boreale Nadelwälder während des Frühglazials (MIS 5d–5a) entwickelten. Mit dem Einsetzen hochglazialer Bedingungen (MIS 4–2) breitete sich eine spärliche Tundravegetation aus. Die Verfasser zeigen, dass Ausbreitungen (Kontraktionen) von Baumpopulationen synchron mit Zunahmen (Abnahmen) der Verwitterungsintensität sind und eindeutig Grönland-Interstadialen (Grönland-Stadialen), bekannt aus Sauerstoffisotopendaten von Eisbohrkernen (δ18Oice), zugeordnet werden können. Der überregionale Vergleich mit Paläoklimadaten aus Grönland und dem Nordatlantik hebt die enge Verbindung der interstadialen Vegetationsdynamik in Mitteleuropa mit Meeresoberflächentemperaturen im Nordatlantik und eine Entkopplung vom Klima in hohen Breiten hervor. Stadiale sind durch das entgegengesetzte Muster geprägt.

Veröffentlicht

2025-09-15 — aktualisiert am 2025-12-14

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